Archiv November, 2007
Konzertbeleuchtung.
von jl am Nov.08, 2007, unter Konzerte, Kunst, Musik, Technik, foto
Egal was mancher über Weiberelectro denken mag: Rotersand ist in meinen Augen eine der, möglicherweise die stärkste Live Kapelle ihres Genres. Der Frontmann tut was er soll, kommuniziert ganz fabelhaft mit seinen Rezipienten undsieht dabei gut aus. Die Band verzichtet weitgehend auf aufgesetztes Posing und wenn die das doch machen, ist es cool. Die haben auch einen wirklich guten Live Keyboarder und Gitaristen, können sogar gut improvisieren und lassen alleine deshalb schon den Großteil der Konkurrenz alt aussehen. Doch obwohl Rotersand ein wie gewohnt gutes Set gespielt hat, am letzten Sonntag im Saint zu Oberhausen, war das gesamte eher enttäuschend. Denn so hat man im Saint erneut einen Trend in der Beleuchtung sehen können, der störend wie verbreitet ist, aber bei diesem Konzert bis zum Exzess ausgelebt wurde: Der Beleuchter verweigert die Band zu beleuchten.
Damit meine ich nun nicht, dass da wer das Licht aus gemacht hat. Nein keinesfalls. Licht war jede Menge da, aber dafür stets an der falschen Stelle. Um das zu präzisieren muss ich ein wenig über physikalische Grundlagen sprechen. Wenn es erwünscht ist, dass ein Objekt in der Dunkelheit sichtbar ist, so ist es notwendig, dass eine Lichtquelle so angebracht wird, dass jenes Objekt Licht in Richtung des Beobachters reflektiert. Was Trivial erscheint, geht offensichtlich über den Horizont mancher Konzertbeleuchter hinaus. So geht der angesprochene Trend dahin, die Personen auf der Bühne von hinten zu beleuchten. Zwar spricht nun nichts dagegen dies zu tun, solange man entweder will dass die jeweilige Person nicht, oder nicht richtig, gesehen werden soll, oder wenn die Beleuchtung von hinten nicht die einzige ist. Trifft beides nicht zu läuft was falsch. Im Saint ist das ziemlich falsch gelaufen, was aber vermutlich nicht am Saint lag, konnte man dort zum Beispiel Haujobb prächtig beleuchtet bewundern. Das Saint ist ein sehr gutes Konzertlokal.
Wie Brutal dieses Art der Beleuchtung ist kann man auf den Bildern sehen. Gun (links) ist nicht unbedingt die Heidi Klum unter den
Musikern, muss aber nicht wirklich versteckt werden. Warum also den Hinterkopf beleuchten? Noch weniger verständlich ist die grüne Arschlampe weiter unten. Das tut nicht not. Beleuchtung von vorne? Fehlanzeige. Etwas Streulicht und die Scanner. Schlimmer noch auf der linken Seite. Krischan wird mit relativer Konsequenz auf einen Scherenschnitt seiner selbst reduziert. Und das obwohl er ein Gesicht hat das man zeigen darf.
Rasc hat es noch am besten. Er darf sich das Gesicht zu Beginn der Show mit Taschenlampen selbst beleuchten. Ansonsten gibt es noch was der gedimmten Tanzflächenbeleuchtung, seitlich, wenn er weit genug vorne steht aber nicht genug davon. Nun stellt sich die Frage wie sowas zu Stande kommt. Ich habe dazu eine Theorie und versuche mich so am Beleuchterprofiling. Ich vermute, die Person die das ganze verbrochen hat, zeichnet sich im besonderen aus durch zwei Eigenschaften. Sie ist egozentrisch und leicht debil. Ich werde meine Vermutung versuchen mit dem letzten Bild, ganz unten auf dieser Seite zu belegen. Auf jenem Bild sieht man, wovon ich vermute, was der Lichtverantwortliche gesehen hat als der Aufbau fertig war und er seine Lampen testete. Als der das gesehen hat, vermute ich, wird der gedacht haben: “Meine Güte! Die Scheinwerfer sehe voll geilokrasso aus, wenn die so den Nebel beleuchten.” Weil er das alles ganz alleine gemacht hat, kommt er sich dann vor wie unser Mann im All und stellt fest dass es gut ist. Weil er nicht so helle ist wie seine Lampen, stellt der dann den Gedankengang ein, bei dem er geklärt hätte, wie das ganze mit der Band auf der Bühne aussieht. Und aufgrund seiner egozentrischen Ader kommt er auch von Grund auf gar nicht zu der Idee, dass seine fantastischen Lampen irgendetwas tun könnten was über ihren Selbstzweck des Leuchtens hinausgeht.
Rotersand ist mit diesem Problem nicht alleine. Zum Beispiel Comichrist habe ich auch mal unter ähnlich suboptimalen Bedingungen gesehen. Da wurde in der Kufa fröhlich das Publikum beleuchtet. Zu dumm, dass diese Leute dazu tendieren zur Bühne zu schauen anstatt sich gegenseitig zu beglotzen.
Daher will ich hier mit einem Appell enden: Liebe Beleuchter, beleuchtet eure Bands. Andere können das auch. Zum Beispiel hier: De/Vision. Der Mann hat einen merkwürdigen Kopf, aber wenigstens sieht man ihn. VNV-Nation beugt vor: Ronan Harris ist durch modernste Lichttechnik sogar sichtbar! Menschen bezahlen Geld um die zu sehen und für die kommen euren Lampen erst an zweiter Stelle. Beleuchtet die Band, nicht euer Ego.
