Politik
ASP, das WGT und die Faschisten.
von jl am Jun.18, 2009, unter Festival, Medien, Politik
Ich bin kein Freund von ASP. Das liegt nicht nicht an den Leuten, von denen man viel nettes hört, sondern an dieser furchtbaren Musik. Nicht, dass ich das handwerklich kritisieren könnte, die machen das sicher alles richtig, aber es ist einfach nicht meins. Diese Finsterkapelle ASP hat am 11. Juni etwas getan, das ich als so richtig, so notwendig und so unterstützenswert halte, dass ich mir jetzt fast eine Platte von denen kaufen würde, nur um sie an bedürftige Junggothen zu verschenken. ASP hat mit einem offenem Brief eine Position bezogen. Eine solide, vernünftige, aufrechte Position die mir so sehr entspricht, dass ich mich gerne dahinter stelle. In einem offenen Brief an die Treffen & Festspielgesellschaft für Mitteldeutschland mbH schreibt ASP:
“[...]Natürlich wird in Fachkreisen diskutiert, ob und welche Ursprünge speziell auch das von Ihnen abgebildete Symbol in der älteren Geschichte hat, aber die Herkunft der auf der “Obsorgekarte” dargestellten Version ist leider eindeutig:
Es handelt es sich zweifelsfrei um eine spezielle, charakteristische Darstellung mit 12 Sieg-Runen, die – allen recherchierbaren seriösen wissenschaftlichen Erkenntnissen nach – zum ersten mal in der von Heinrich Himmler dahingehend umgebauten Wewelsburg (“SS-Schule Haus Wewelsburg”) auftauchte. In der Gegenwart wird das Symbol in dieser speziellen Art von neofaschistischen Gruppierungen als Erkennungszeichen verwendet.”
Wer, wie ich, nicht dort war und sich nicht mit dieser “Obsorgekarte” in öffentlichen Verkehrsmitteln ausweisen musste [Edit nach Hinweis von Kleine Welle, siehe unten] wird diese Abbildung links lieben: Eine schwarze Sonne!
Natürlich hat ASP recht wenn sie sagen, dass sie damit nicht in Verbindung gebracht werden wollen: Ich will es auch nicht! Auch ich will nicht als Besucher, als Künstler, als Journalist mit grenzdebiler fascho-koketiererei in Verbindung gebracht werden. Am 16. Juni bezogen Verantwortliche, nicht aber die Gesellschaft zum offenen Brief des ASP Stellung und die Begründung des Einsatzes der schwarzen Sonne ist haarsträubender als erwartet:
“Hallo, wir haben bei den WGT Layouts immer einen historischen Bezug eingearbeitet – in diesem Jahr die Hermannsschlacht auch Schlacht im Teutoburger Wald genannt, die sich zum 2.000sten Male jährt.”
Die Hermannsschlacht? Wie konnte ich das nur vergessen!? Die Germanen die unter dem Banner von Himmlers zwölf Siegrunen die Varus Legionen bezwungen! Dieser Zusammenhang wäre mir alleine niemals aufgefallen! Kameraden der Treffen & Festspielgesellschaft für Mitteldeutschland mbH: Respekt! Mit deratiger Kreativität habe ich nicht gerechnet. Großer Gott, fragt 1000 Deutsche nach dem Zusammenhang zwischen der Varusschlacht und der schwarzen Sonne und ihr werdet feststellen, dass die ähnlich ratlos schauen werden wie ich. Gesetzt dem Fall dieses Konstrukt wäre irgendwie stichhaltig, niemand versteht das. Auf der Obsorgekarte ist eine schwarze Sonne und die hat in keinem relevanten Zusammenhang irgendwas mit der Varussschlacht zu tun! Schlimmer noch: Man nimmt es offenbar billigend in kauf, ein neofaschistisches Symbol auf Eintrittskarten zu drucken, während es eine Vielzahl anderer Symbole gibt die man im Varuszusammenhang zeigen könnte. Warum sollte es notwendig sein, ein im höchsten Maße negativ behaftetes Symbol zu verwenden, wenn es doch so viele andere Methoden des esoterischen Yada-Yadas gibt? Ich erkenne keine Notwendigkeit überhaupt irgendwelchen Panastralen germanischen Unfug zu nutzen: Wir sprechen vom Wave Gothik Treffen. Nicht von einer Zusammenkunft der Heimatforschenden Esoterik Gemeinde. Die darf sich gerne auch dort versammeln , ich bin da offen und schmerzfrei, aber ich sehe da auch und zu weiten Teilen die großartigen Fraktionen Cybergothic, Industrial, Dark Electro, Techno, Electronic Body Music, Post-Punk und so weiter und so fort. Das WGT ist keine Esoterikmesse, sondern weltweiter Sammelpunkt kultureller Abweichler. Es ist seit vielen Jahren viel mehr als Darkwave und schwarze Messen, sondern eine Marktplatz kluger, vielfältiger Menschen, die den kulturellen Mainstream nicht akzetpieren wollen und können.
Wenn Symbole wie die schwarze Sonne an einer prominenten Stelle auftauchen, dann hat das einen Grund, denn es ist unglaubwürdig, das man im Marketinggeschäft die Risiken der wahrscheinlichen Diskussion in den Wind schlägt. Die Veranstalter wissen von den möglichen Implikationen und nehmen sie billigend in kauf. Wer das tut will nicht nur provozieren, wer das tut möchte mit faschistoiden Symbolen die Subkultur penetrieren, Himmlers Symbolik Salonfähig machen oder einfach selber Stellung beziehen. Sven Borges und Mike Schorler distanzieren sich in ihrer Stellungnahme zum ASP Brief nicht einmal von derartigen Möglichkeiten der Interpretation, so heisst in ihrem Brief lediglich:
“Das offizielle Erscheinungsbild des Treffens ist prinzipiell frei von eindimensionaler Verwendung von Erkennungszeichen, welcher Herkunft auch immer.”
Eindimensional? Daraus lese ich, dass man damit also nicht nur das “Innere Licht” der Germanen meint. Eine andere Bedeutung, z.B. jene aus der Wewelsburg, Nähe KZ Sachsenhausen, umgabaut durch Zwangsarbeiter des KZ Sachsenhausen, später ausgestattet mit einem eigenen Gefangenenlager, KZ Niederhagen/Wewelsburg, scheint folglich den Veranstaltern auch akzeptabel zu sein. Wenigstens wird das Gegenteil nicht behauptet. Die Aussage
“[...]keiner von uns Kulturschaffenden hat in irgendeiner Weise das Ansinnen, mit der Veranstaltung WGT politische Ziele zu verfolgen.”
kann man in diesem Zusammenhang nur mit Mühe als glaubwürdig betrachten. Auch die Tatsache, dass das Symbol nur auf den “Obsorge-”, nicht aber auf den Eintrittskarten sichtbar ist, beruhigt nicht. Wenn auch nur ein Drittel der Besucher diese Karte hatte ist das zu viel. Es ist kein Prädikat, wenn eine Veranstaltung nur ein wenig faschistoid anmutet. Wir können diese Diskussion gar nicht gebrauchen. Die Antwort der geschätzten Kollegen von ASP ist vollständig, vernünftig und richtig und ich will sie hier so stehen lassen:
“Lieber Sven, lieber Mike,
vielen Dank für Eure Antwort auf unseren offenen Brief. Mit Bedauern haben wir feststellen müssen, dass nicht die Treffen & Festspielgesellschaft für Mitteldeutschland mbH, also die Veranstalter des Wave-Gotik-Treffens, und damit die für das Erscheinungsbild der Veranstaltung Verantwortlichen unterzeichnet haben.
Auch danken wir Euch für das Statement “mit der Veranstaltung WGT keine politischen Ziele zu verfolgen”. Dennoch sind wir der Meinung, dass die politischen Mehrdeutigkeiten damit nicht aus dem Weg geräumt werden konnten. Unsere Frage, warum das – unserer Meinung nach hochpolitisch belastete – Symbol der “Schwarzen Sonne” benutzt wurde, wurde leider nicht beantwortet. Es existiert keine historische Verbindung zwischen der erwähnten “Herrmannsschlacht” und dem Symbol. Im Gegenteil: bedauernswerterweise ist nur darin eine Verbindung erkennbar, dass beide Themen in neofaschistischen Gruppierungen einen hohen Stellenwert einnehmen.
Wir hatten eine klare Stellungnahme der Treffen & Festspielgesellschaft für Mitteldeutschland mbH erwartet. Zunächst unabhängig davon, ob die Benutzung des politisch brisanten Motivs aus Unkenntnis, mangelnder Recherche, aus Versehen, aus Provokation zu Marketingzwecken, in voller politischer Absicht oder aus einem anderen Grund geschah.
Solange wir von den Verantwortlichen darüber keine klare Aussage erhalten, müssen wir Euch mit Bedauern mitteilen, dass wir in Zukunft weder als Besucher auf dem Wave-Gotik-Treffen zu Gast sein werden, noch als Teil des Musikprogramms dort zur Verfügung stehen werden.
Die Band ASP”
Nicht sperren. Löschen! Jetzt!
von -jl- am May.28, 2009, unter Politik
So, bald ist Europawahl, da darf ich ein wenig politisieren.
Ich bin Gegner der sogenannten Kinderpornosperren, weil ich sie in sich für zweckfremd, wirkungslos, zynisch und die Art der Ausführung des Gesetzes für kaum Verfassungskonform halte. Daher habe ich, wie über 100000 andere Bürger auch, eine Petition gegen dieses Gesetz unterschrieben. Die Idee, ohne einen richterlichen Vorbehalt und ohne öffentliche Kontrolle Webseiten sperren zu können, verwässert die staatliche Gewaltenteilung. Das Gesetz hilft auch den Opfern nicht, ihr Leid wird hinter einer DNS Umleitung versteckt, die Täter werden nicht ihrer gerechten Straft zugeführt. Dass DNS Sperren, wie sie derzeit geplant sind, unfassbar leicht zu umgehen sind, ist für mich dabei nur noch ein widerliches Beiwerk, obwohl das Loggen der Zugriffe auf die Stoppseiten zu anderen ekelhaften Implikationen führt: Während die Gefahr besteht, dass unschuldige Nutzer, die durch einen, in böser Absicht, gesetzten Link gegen ihren Willen auf einer Stopp Seite landen und dort als potentieller Kinderschänder gespeichert werden, navigieren die tatsächlichen Schweine mit einem ausländischen DNS Server an den Stopps vorbei, laden den Schmutz herunter und werden niemals gefunden.
Die unerträgliche Unsinnigkeit des ganzen Unterfanges wird nun aber vom Netz Aktivisten und Künstler Alvar Freude beeindruckend demonstriert, Zitat:
Jetzt machte Alvar Freude vom Arbeitskreis gegen Internet-Sperren und Zensur (AK Zensur) die Probe aufs Exempel, analysierte mit automatischen Verfahren die diversen europäischen Sperrlisten und schrieb die Provider an, auf deren Servern sich laut der Listen kinderpornographisches Material befinden soll. Mit beeindruckender Resonanz: Innerhalb der ersten 12 Stunden nach Aussenden der Mails wurden bereits 60 Webauftritte gelöscht.
Mit automatischen Verfahren löscht ein einziger Aktivist innerhalb von 12 Stunden 60 Webauftritte dauerhaft, während Ursula von der Leyen noch mit ihren Internetausdruckerfreunden Unfug diskutiert. Ich erwarte, dass das BKA mehr kann als irgendein Alvar Freude. Ich erwarte, das ein BKA mindestens dasselbe tun kann und nebenbei auch noch die Verantwortlichen finden und fassen kann. Und das bitte ohne von der Politik zur Zensur auf Zuruf ermächtigt zu werden.
Ich schliesse mich in diesem Rahmen der rennomierten Gesellschaft für Informatik an die in ihrer Stellungnahme erklärt:
Die Gesellschaft für Informatik e.V. fordert die Behörden daher nachdrücklich auf, unverzüglich gegen die ihnen bekannten Provider von Kinderpornografie strafrechtlich vorzugehen, die relevanten und behördenbekannten Server stilllegen zu lassen und ebenfalls gegen alle diejenigen strafrechtlich vorzugehen, die kinderpornografische Inhalte gezielt abrufen und tauschen.
Zurück zur Europawahl: Die Internetausdrucker sitzen zu weiten Teilen in der CDU Fraktion. Das muss man nicht wählen.
Frohes Fest.
Die NPD und das Holiday Inn Dresden.
von jl am Oct.24, 2007, unter Politik, Sonstiges, Spass
The Associated Press, indymedia sowie zahlreiche Blogger pfeifen es von allen Dächern: Johannes H. Lohmeyer, Geschäftsführer besaß die fabelhafte Frechheit, die Herren Apfel und Delle, von der NPD Fraktion des sächsischen Landtages, derart fantastisch deutlich zu machen, dass sie in dem von ihm geführten Hotel nicht recht willkommen sind, dass ich mir ein lachen kaum verkneifen konnte. Hier der Wortlaut des Briefes den die Herren der NPD Fraktion erhielten:
NPD Fraktion im Sächsischen Landtag Herren H. Apfel und A. Delle Bernhard- von- Lindenau- Platz 1 01067 Dresden Frankfurt, 18. Oktober 2007
Ihre Zimmerreservierung im Holiday Inn Dresden
Sehr geehrter Herr Apfel,
sehr geehrter Herr Delle,wir erhielten heute Ihre über www.hotel.de getätigte Reservierung für den 7.November 2007 und sind einigermaßen erstaunt, dass Sie ausgerechnet ein amerikanisches Hotelunternehmen mit ausländisch klingendem Namen bevorzugen.
Da Sie in unserem Hause nicht willkommen sind und ich es auch meinen Mitarbeitern nicht zumuten kann, Sie zu begrüßen und zu bedienen, haben wir hotel.de gebeten, die Buchung zu stornieren.
Sollte dies aus vertraglichen Gründen nicht möglich sein, darf ich Sie darauf hinweisen, dass ich sämtliche in unserem Hause durch Sie getätigten Umsätze unmittelbar als Spende an die Dresdner Synagoge weiterleiten werde.
Betrachten Sie dies als kleinen Beitrag zur Wiedergutmachung für die Schäden, die Ihre damaligen Gesinnungsgenossen der Synagoge und vor allem ihren früheren Besuchern zugefügt haben.Eine Kopie dieses Schreibens leiten wir an die Dresdner Presse weiter. In der Hoffung, daß Sie eine zu Ihnen passende Unterkunft finden und uns Ihr Besuch erspart bleibt verbleiben wir
mit freundlichen GrüssenMACRANDER HOTELS GmbH & Co. KG
Johannes H. Lohmeyer
Geschäftsführer
Herr Lohmeyer, Sie sind ein Fuchs! Ein politisches Statement im Kombination mit kluger Werbung für ihr Unternehmen ist ein Lob wert.
Nine Inch Nails ist unabhängig.
von jl am Oct.09, 2007, unter Kunst, Musik, Politik
Trent Reznor ist sicherlich ein kluger Mann. Das zeigt er, indem er neue Wege geht, nicht nur mit der ungewöhnlichen Kampagne zu seinem Album Year Zero und seiner offensichtlichen und öffentlichen politischen Orientierung, die er über dieses Werk geschickt projiziert. Auch vertrieblich denkt er anders. Anstatt sich abzuschotten und sein Werk gegen “Piraterie” zu schützen gibt er Remix-Kits seiner neuesten Songs frei. Er hinterfragt auch das in letzter Zeit eher kontraproduktive Verhalten seiner Vertreter und tut letztlich etwas wozu anderen der Mut oder die Klugheit fehlt: Er trennt sich von ihnen. Nach Abmahungen des Labels an Fans die sich am Year Zero ARG beteiligen, nach der absurden Preispolitik Universals, das letzte Album im europäischen und asiatischen Markt 3-6€ teurer zu verkaufen als andere Releases, begann Reznor mit weiteren Unmöglichkeiten. Bei einem Konzert in Australien, wo Year Zero für unfassbare 22€ in den Handel kam, rief er die Besucher auf diese Preise nicht zu akzeptieren und sein Album zu stehlen. Der unerträgliche Single Release “Survivalism” der auf absurdeste Weise (Tracklistings beachten!) auf 2 Single CDs, die einzeln zu erwerben sind, zerteilt wurde, dokumentiert den Umgang des Labels mit seinen Stammkunden, den Fans: Diese Leute sollen jeden Mist zu jedem Preis kaufen. Heute zog Reznor schließlich Konsequenzen und erschütterte mit folgendem Post auf nin.com:
“Hello everyone. I’ve waited a LONG time to be able to make the
following announcement: as of right now Nine Inch Nails is a totally
free agent, free of any recording contract with any label. I have
been under recording contracts for 18 years and have watched the
business radically mutate from one thing to something inherently very
different and it gives me great pleasure to be able to finally have a
direct relationship with the audience as I see fit and appropriate.
Look for some announcements in the near future regarding 2008.
Exciting times, indeed.posted by Trent Reznor at 10:45 AM.”
Ob das klug ist, fragt sich da mancher. Ich glaube, das ist es in der Tat. Reznor braucht nicht länger den Dinosaurierhaften Vertriebskanal eines Majors um Musik zu verkaufen. Er braucht nicht deren Rechtsabteilungen um sein Werk zu schützen. Anstatt sich zu verstecken, umarmte er seine wichtigsten Stakeholder, nämlich seine Konsumenten, Anhänger und Fans und gab ihnen einfach was sie wollten. Und genau daher braucht er weder die Vertriebskanäle noch die Werbung, nicht einmal die Vorschüsse die ihm Universal geben könnte, denn er verfügt über eine lebendige Community, an die er sein Werk direkt verkaufen könnte, die, mehr noch, seine künstlerische und politische Vision unterstützt und massives Feedback gibt. Ich hoffe diese Entwicklung Schule macht und sich die große Fische im Markt endlich Gedanken machen müssen wie man seine Kunden zufrieden stellt, anstatt neue Technologien zu entwickeln um tote Pferde zu reiten.
Freies EM-Logo.
von jl am Aug.03, 2007, unter Kunst, Spass, commons, werbung
Nach den vielen furchtbaren Rechtsstreitigkeiten bei der Fussball WM, welche die FIFA gegen alle möglichen Organisationen, Firmen und Privatpersonen wegen der Nutzung des offiziellen Logos der WM gefochten hat, haben sich einige Östreicher überlegt, dass dieser ganze UEFA/FIFA Unsinn, der Krieg um die Lizenzen und so weiter doch vermeidbar sein könnte, wenn man die UEFA Logos einfach nicht nutzt. So wurde ein Wettbewerb ausgelobt, in dem über 6000 Leute das beste alternative Logo zur Fußball EM gewählt haben. Dieses Logo darf von jedem kostenlos genutzt und auch kommerziell verwendet werden. Das macht es zwar nicht zum offiziellen Logo, aber zu einer günstigen Alternative um z.B. seinen berichtenden Blog oder sein T-shirt oder was auch immer WM-tauglich zu stylen.
Schade ist, dass die Inhaber des Logos sich nicht dazu durchringen konnten, das Logo in der Tat “Frei wie Freiheit” zu lizensieren oder es unter eine Rechtssicherheit schaffende Lizenz wie die GPL oder eine der Creative Commons Lizenzen zu stellen.
Wie auch immer, amüsant ist es, das ausgerechnet ein kleines, deutsches Büro den Wettbewerb gegen die östreichische Konkurenz gewann, nämlich Fussball-Talente auf Bochum.
So bleibt es abzuwarten inwieweit ein solches alternatives Logo durchsetzungsfähig ist und wo wir es in Zukunft sehen werden. Ich bin ein wenig gespannt.
Erkennungsdienstliche Maßnahmen für alle!
von jl am Jul.25, 2007, unter Politik, Technik
Das neue Reisepassgesetz sorgt bei vielen schon vorab für ein mulmiges Gefühl bezüglich der Beantragung eines neuen Reisepass. Wie ein Verbrecher darf man nun neben seinem biometrisch verwertbaren Passbild nun auch noch zwei Fingerabdrücke abgeben wenn man es wagt außerhalb der Schengenstaaten reisen zu dürfen. Warum alle Deutschen noch ein bisschen mehr unter Generalverdacht stehen ist schnell klar: Es geht um den Terror in Europa, denn schließlich muss die Sicherheit der Bürger auch bei zwei Terrortoten im Jahr, koste es was es wolle verteidigt werden.
Wie absurd das wirklich ist, zeigt das Ergebnis einer kleine Anfrage der Fraktion “Die Linke” an die Bundesregierung. Aus derer Antwort auf diese Anfrage möchte ich hier gerne zitieren:
2. Wie viele Fälschungen und Verfälschungen deutscher Pässe sind seit 2001
auf welche Art undWeise und bei welcher Gelegenheit aufgedeckt worden?Im Rahmen der grenzpolizeilichen und sonstigen Kontrollmaßnahmen hat
die Bundespolizei im Zeitraum 2001 bis 2006 insgesamt 6 Fälschungen und
344 Verfälschungen deutscher Pässe festgestellt.3. Bei wie vielen der durchgeführten oder geplanten und aufgedeckten oder
sonst verhinderten vermutlichen terroristischen Anschläge seit dem Jahre
2000 spielten bei Planung und Durchführung gefälschte deutsche Pässe
oder Ausweise eine Rolle (bitte aufgeschlüsselt nach Jahren und Anlass
darstellen).Der Bundesregierung sind keine derartigen Fälle bekannt.
Daraus wird erkenntlich: Nicht nur sind die geplanten Maßnahmen unverhältnismäßig, denn sie schützen uns vor nichts, die Regierung weiß sogar davon und will diese Maßnahmen trotz aller technischen Schwierigkeiten und ohne erkennbaren Nutzen für die Sicherheit durchsetzen. Unabhängig von der Meinung von Experten ungerührt von Boykottaufrufen fährt die Bundesregierung mit ihrer widersinnigen Politik fort. Die folgen eine biometrischen vollerfassung der deutschen Bürger sind unabsehbar.
Mit dem sofortigen, schrankenlosen Online-Abruf der Passbilder schon bei Ordnungswidrigkeiten wird eine neue Dimension des staatlichen Biometrieterrors gegen die Bürger erreicht. Kombiniert mit Verfahren zur automatischen Gesichtserkennung sind der permanenten Alltagsüberwachung nun keine Grenzen mehr gesetzt.
Andy Müller-Maguhn, Sprecher des Chaos Computer Clubs.
Der Sicherheitswahnsinn nimmt kein Ende, die Spirale dreht sich weiter und spätestens beim nächsten großen Anschlag, der hoffentlich nie kommt, den vermutlich keine dieser Maßnahmen verhindern kann, werden die Bürger möglicherweise jedes Mittel als als akzeptabel betrachten, auch wenn das bedeutet, dass Deutschlands Souverän seine Macht mal wieder einem Führer übertragt der uns dann ganz bestimmt alle beschützen kann. Willkommen in der selbstgebauten Dystopie.
Siehe auch: http://www.ccc.de/updates/2007/biometrie-unsinn-deluxe
Undenkbares denken.
von jl am Jul.17, 2007, unter Politik
Wenn ich behaupte, die freiheitlich demokratische Grundordnung in der Bundesrepublik Deutschland sei in Gefahr, so könnte man mich für einen Narren halten. Wenn ich allerdings feststelle, dass Frau Bundeskanzler Merkel der Ansicht ist, dass wir uns in der Sicherheitsdebatte keine Denkverbote leisten könnten, während ihr Innenminister Herr Schäuble der Presse erklärt, man brauche Rechtsicherheit bezüglich der Frage ob man potentielle Terroristen in Deutschland gezielt töten dürfe, frage ich mich ernsthaft, ob der Gedanke des gefährdeten Rechtsstaates so töricht ist, wie er zunächst erscheinen mag. Was immer Politiker glauben denken zu dürfen: Das Töten potentieller Terroristen ohne Tatbestand, ohne Gerichtsverhandlung ist in meinen Augen ein Angriff auf das Konzept der Unschuldsvermutung, damit auf unseren Rechtstaat, auf die Menschenwürde selbst und so auf fast alles, was jede Sicherheitspolitik in unseren Land schützen könnte. Keine angebliche Terrorgefahr kann da Argument sein.
Zeit sich das Grundgesetz mal wieder, oder es sich überhaupt mal anzuschauen. Ich will mich in diesem Rahmen der Aktion von Karan anschließen: Verbreitet das Wort. Man kann das Grundgesetz in dreifacher Ausfertigung noch immer kostenlos beim Bundestag bestellen. Tut genau das. Behaltet eine Ausgabe und lest sie, wenn ihr es noch nicht getan habt. Verschenkt die beiden anderen an Leute die noch keines haben.
Die politische Debatte in Deutschland ist an einem Punkt angekommen an dem jeder Bürger wissen sollte, welche rechtliche Grundlage unseren Staat definiert und welche Rechte und Freiheiten es wert sind verteidigt zu werden. Jeder sollte sich in diese Diskussion einklinken können und hoffentlich erkennen: Der derzeit diskutierte Sicherheitswahn schützt nicht unsere Freiheit, sondern demontiert sie systematisch. Anstatt ständig auf Guantanamo zu zeigen, ist es angemessener das eigene Nest mal auf Reinlichkeit zu untersuchen.
Prince handelt merkwürdig.
von jl am Jul.01, 2007, unter Musik, Politik
Denn er läßt sein kommendes Album “Planet Earth” der Britischen Zeitung “SundayMail” beilegen. Die Zeitung mit einer Auflage von zwei Millionen Exemplaren pro Woche ist ein Massenblatt ähnlich der deutschen “bild am Sonntag” und wird daher das Album in einer unfasslichen Geschwindigkeit in der Nation vertreiben können. Prince nennt die beigelegte Version “Imminent Edition”, passend wenn man betrachtet, dass die offizielle Version erst einen Monat später in den Plattenregalen stehen soll. In einem Statement erklärt der Künstler, dass es ihm sehr wichtig sei, dass möglichst viele Menschen das Album hörten. Was immer Prince damit zu erreichen meint, scheint mir das ein legitimes Vorgehen zu sein: Prince hat Musik gemacht und internationale Copyright Gesetze erleuben es ihm mit seinem Werk zu tun was immer will. Wäre es dabei nicht so, dass gerade in den untiefen des Musikbusiness engere und kompliziertere, ja manchmal auch mafiosere Abhängigkeiten bestehen. So gereicht es Paul Quirk, einem Sprecher der Entertainment Retailers Association, zu einem recht frivolen Angriff auf den Künstler:
“The Artist Formerly Known as Prince should know that with behaviour like this he will soon be the Artist Formerly Available in Record Stores. And I say that to all the other artists who may be tempted to dally with the Mail on Sunday.”
Frei übersetzt will das wohl soviel heißen wie: Wenn Du andere Vertriebswege als exklusiv unsere zu nutzen spielen wir nicht mir Dir. Der Britische Arm von Sony BMG kündigte bereits den Ausstiegt aus dem globalen Promotionsvertrag mit Prince an.
Es sit schon spannend: Wenn man betrachtet, dass nicht einmal einer jener ganz großen mit seinem Werk machen darf, was er für richtig hält, stellt man sich einmal mehr die Frage wo die Freiheiten eines Künstlers in diesem Konstrukt betriebswirschaftlicher Kulturperversion überhaupt bleiben, wenn man nicht gerade zu jenen gehört, die zehn Millionen Einheiten eines Albums verkaufen können.
"Atze Schröder" völlig humorlos.
von jl am May.12, 2007, unter Kunst, Politik
Atze Schröder ist eine Kunstfigur die viele Menschen für komisch halten obwohl sie lediglich einen schlechten Haarschnitt hat und Verhaltensweisen zu Tage trägt die die meisten in ihrer Umgebung nicht dulden würden. Wer mag schon Retrozuhälter? Nun ist das spielen solcher Entsetzlichkeiten nicht ungewöhnlich im Bereich der Komiker, schließlich ist derartiges ein beliebtes Mittel um Kritik zu üben, den Menschen einen Zerrspiegel vorzuhalten oder einfach um ein voyeuristisches Verlangen zum asozialen zu befriedigen.
Was der Mann hinter Atze Schröder nun aber tut ist ganz abgesehen davon ob man seinen Mummenschanz für komisch hält oder nicht eine Frechheit wahrhaftiger Humorlosigkeit. Er lässt durch seine Anwälte Unternehmen und Privatpersonen auffordern Nennungen oder Verweise auf seinen bürgerlichen Namen zu entfernen, weil er der Ansicht ist, das dies seine Persönlichkeitsrechte verletzt. Eines seiner Klageopfer: Die deutsche Wikipedia.
Für eine Person öffentlichen Interesses, der schließlich seine Brötchen über seine Prominenz verdient ist das in meinen Augen eine Ungeheuerlichkeit. Insbesondere, weil sein Name sehr leicht zu recherchieren ist. “Atze Schröder” ist nämlich eine eingetragene Marke, deren Inhaber hier: https://dpinfo.dpma.de/protect/mar.html dem deutschen Markenamt, herauszufinden ist, indem man “Atze Schröder” in das Suchfeld eingibt.
Vor dem Hintergrund, dass Seiten wie die internet movie database, imdb.com oder die Englische Version der Wikipedia weiterhin wie selbstverständlich den Namen des Darstellers nennen macht diese Sache zu einem doch sehr offenen Geheimnis.
Also, meine lieben Netzbürger. Wenn auch ihr vorher nicht wissen wolltet wie der Schauspieler von “Atze Schröder” heißt. Nun habt ihr einen guten Grund diesen zu recherchieren und euch darüber zu unterhalten. Das können Euch Promianwälte zum Glück noch nicht verbieten.
Terror in Europa!
von jl am Apr.25, 2007, unter Politik
Die Europäische Polizeibehörde Europol hat ihren diesjährigen Trend-Report zur Situation des Terrorismus in Europa veröffentlicht. Die 44-seitige Studie ist recht aufschlussreich und zeigt endlich deutlich auf, wie es angesichts der Gefahr durch den islamistischen Terror um unsere Sicherheit bestellt ist. Es sieht nämlich gut aus.
In Europa fanden im Jahr 2006 498 Terroranschläge statt, die von Europol als solche verzeichnet worden sind. Spitzenreiter ist dabei die ETA. Schlusslicht sind die Islamischen Fundamentalisten.
Mit sage und schreibe einem Anschlag.
Die Islamisten haben es zwar hinbekommen eine Internetbauanleitung für eine Benzinbombe zu befolgen, geklappt hat es damit glücklicherweise nicht. Das Ziel, ein Zug der DB, blieb unversehrt, die Presse hatte dennoch viel zu tun, im vergangenen Sommer.
Die Gesamtmenge an Todesopfern durch Terrorattacken beläuft sich auf zwei. Du hast richtig gelesen. Zwei Todesopfer in einem Jahr, in ganz Europa.
Bringt man nun die vorgeschlagenen Gesetzesänderungen in Relation dazu, beginnt man zu grübeln. Wegen zwei Toten in einem Jahr beginnt unsere Regierungen allmählich den Rechtsstaat außer Kraft zu setzen? Ich meine zwei Tote sind zwei zu viele. Aber ernsthaft: Wenn ich wegen zweier Todesopfer Grundgesetzänderungen beschließen will, so kommt mir das gleichsam unverhältnismäßig vor, als plädierte ich für eine Ausgangssperre bei Regen. Schließlich erhöht Regen die Unfallgefahr und die Bürger haben ein Recht darauf vor Blitzschlägen bewahrt zu werden.
Wolfgang Schäuble geht zu weit. Unsere Regierung geht zu weit. Mit der Dramatisierung unserer Sicherheitslage muss endlich Schluss sein.
Lest diesen Report: [Link]
Denkt an Europol wenn ihr mal wieder hört, wenn selbsternannte Sicherheitsexperten von einer verschärften Bedrohungslage sprechen. Fragt euch, warum dieser Report kein signifikantes Presseecho erzeugte. Und berücksichtigt diese Gedanken bei der nächsten Wahl.
Update:
Zum Thema auch von Mathias Bröckers: Die erfundene Terrorgefahr.